Wie sich mein Leben durch das Arbeiten auf dem Kreuzfahrtschiff verändert hat

Wie lebt es sich ohne festen Wohnsitz, ohne klassischen Arbeitsalltag – und was passiert, wenn man sein gewohntes Leben hinter sich lässt? In diesem Beitrag erzähle ich, wie mein Weg vom Studium aufs Kreuzfahrtschiff führte – und warum ich trotz aller Herausforderungen keinen Moment bereue.

 

Vom Alltag an Land zur Entscheidung aufs Schiff zu gehen

Vor meinem ersten Einsatz an Bord war mein Leben geprägt von Routinen – Studium, Prüfungen, Job und eine WG in Nordrhein-Westfalen. Alles war irgendwie festgefahren, durchgetaktet, von äußeren Strukturen bestimmt. Rückblickend war das keine schlechte Zeit. Aber es war auch eine Zeit, in der mir klar wurde: Ich sehe zu wenig von der Welt. Und mit dem typisch deutschen Wetter kam ohnehin selten Fernweh-Idylle auf.

Die Entscheidung, alles hinter mir zu lassen, fiel nicht über Nacht – aber sie war dennoch spontan. Zwischen Google-Suchanfrage und Bewerbung auf einen Job als Personal Trainer auf einem Kreuzfahrtschiff verging nicht viel Zeit. Und plötzlich ging alles ganz schnell: Bewerbungsgespräch, Vertragsunterlagen, Startdatum. Mein Studium schloss ich noch ab, dann hieß es: Aufbruch.

MS3 im Geiranger Fjord

Neue Routinen auf See – und der Bruch mit alten Mustern

Der Wechsel vom 6-Tage-Arbeitsmodell mit Lernphasen zur Sieben-Tage-Woche auf dem Schiff war weniger hart, als man denkt. Ich war bereits vorher viel eingespannt, kannte lange Tage. Doch natürlich ist der Arbeitsalltag an Bord ein anderer: Viele neue Aufgaben, Vorträge, Beratungsgespräche mit Gästen – und gleichzeitig völlig neue Bedingungen, neue Kollegen, ein neuer Lebensstil.

Eine feste Routine zu entwickeln ist auf dem Schiff fast unmöglich. Was für mich geblieben ist: mein Fokus auf Bewegung, Ausgleich und bewusst gesetzte Ruhephasen. Ich habe gelernt, wie wichtig guter Schlaf ist, um dauerhaft 100 % geben zu können. Alles andere wird flexibel gehalten – so wie es die Umgebung eben zulässt.

Leben ohne festen Wohnsitz – Freiheit oder Verzicht?

Seitdem ich mein WG-Zimmer aufgegeben habe, lebe ich komplett ortsunabhängig. Mein Auto, mein Dachzelt, meine Kamera – das ist mein Zuhause. Natürlich bedeutet das auch, keinen wirklichen Rückzugsort zu haben. Vor allem im Urlaub, wenn ich viel unterwegs bin und zwischen Hostels, Zelt und Wagen wechsle, merke ich, wie anstrengend dieses Leben sein kann.

Und trotzdem: Ich würde es nicht eintauschen. Klar, es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, irgendwo anzukommen. Aber diese Phasen sind selten. In den meisten Fällen überwiegt das Gefühl, genau das richtige zu tun – und dort zu sein, wo ich hingehöre.

Begegnungen, Werte und ein anderes Verständnis von Reichtum

Was sich am meisten verändert hat? Mein Blick auf das Leben. Ich schätze Begegnungen heute viel mehr als früher. Die Freundschaften, die man auf Reisen knüpft – oft nur für wenige Tage – haben eine ganz andere Tiefe. Auch meine Einstellung zu materiellen Dingen hat sich verändert: Ich besitze wenig, aber brauche auch nicht mehr. Stattdessen investiere ich in Erlebnisse, Bilder, Erinnerungen.

Und dann gibt es natürlich auch die Zweifel – oder besser: nachdenkliche Phasen. Wenn man allein reist, ist man auch oft mit sich selbst allein. Aber diese Zeiten gehören dazu. Und meistens sieht die Welt schon am nächsten Tag wieder anders aus.

Die große Frage: Warum nicht einfach machen?

Wenn ich Menschen begegne, die mit dem Gedanken spielen, ihr Leben zu verändern, aber zögern – dann sage ich: Was kannst du verlieren? Ich hatte eine Ausbildung, ein Studium, war angestellt und selbstständig – ich hätte jederzeit wieder in ein sicheres Leben zurückkehren können. Aber warum sollte ich? Wenn du spürst, dass du etwas ändern willst, dann tu es. Nicht irgendwann. Jetzt.

Denn zu viele Gedanken hindern dich oft nur am Handeln. Und dein Leben gehört nur dir.

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