Es war einer dieser frühen Morgen, an denen die Mischung aus Vorfreude und Müdigkeit kaum auseinanderzuhalten ist. Der 31. Oktober auf Madeira – eine Overnight auf der Insel bedeutete die perfekte Gelegenheit, einen Sonnenaufgang vom berühmten Berg Sant Anna aus zu erleben. Schon am Abend zuvor hatten wir alles vorbereitet: das Taxi organisiert, die Taschen gepackt mit Kamera und Drohne. Alles war bereit.
Der Wecker klingelte um 5:40 Uhr. Noch halb verschlafen machten wir uns fertig und waren pünktlich um kurz vor sechs draußen. Der Taxifahrer wartete bereits und wir stiegen direkt ein. Es war noch dunkel, und während das Taxi die kurvigen Straßen Madeiras hinauffuhr, war die Insel in ein ruhiges, fast schon meditatives Schweigen gehüllt. Nach etwa 45 Minuten erreichten wir den Parkplatz am Berg Sant Anna. Wir stiegen aus, die kühle Luft auf dieser Höhe traf uns sofort. Der Himmel war zwar unten im Tal klar gewesen, aber hier oben war alles anders. Die Höhe brachte dichte Wolken mit sich, die den Berg in eine graue Hülle aus Nebel tauchten. Der Plan, den Sonnenaufgang in seiner ganzen Pracht zu erleben, schien auf der Kippe zu stehen.
Trotzdem wollten wir uns nicht entmutigen lassen. Wir gingen ein paar Hundert Meter weiter zu einem Aussichtspunkt, der bereits von einigen anderen besucht wurde. Die Ruhe des frühen Morgens hatte hier einer spürbaren Erwartungshaltung Platz gemacht. Jeder suchte den perfekten Platz, hoffte auf die ersten Strahlen der Sonne, die den Himmel durchbrechen würden. Doch die Wolken blieben dicht.
Es war dieser Moment, in dem ich mich entschied, meine Drohne auszupacken. Ich hatte sie zuvor noch nie im Einsatz gehabt, doch wenn nicht jetzt, wann dann? Das Starten der FPV-Drohne war aufregend und ein wenig herausfordernd – wie ein erster Flug ins Unbekannte. Als sie sich in die Luft erhob und über die Wolken glitt, eröffnete sich eine völlig neue Perspektive. Die Welt über der Wolkendecke war still, friedlich, fast magisch. Die Drohne flog durch Lücken in den Wolken, die den Blick auf die Ferne freigaben. Es war ein Anblick, der schwer zu beschreiben ist, aber diese Momente des Schwebens hatten etwas Beruhigendes, beinahe Meditatives.
Der Sonnenaufgang selbst blieb uns verborgen, doch dieser Flug über die Wolken wurde für mich zum eigentlichen Highlight. Nach etwa 30 Minuten packten wir unsere Sachen zusammen und gingen entspannt zurück zum Taxi. Während der Rückfahrt hinunter ins Tal kehrte auch bei mir eine gewisse Ruhe ein. Manchmal sind es eben nicht die Pläne, die das Besondere ausmachen, sondern das, was man daraus macht.
Es war nicht der perfekte Ausflug, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, aber es war eine Erfahrung, die mich auf eine andere Weise bereicherte. Vielleicht werde ich es erneut versuchen, wenn ich wieder in Madeira bin. Denn das ist es doch, was uns antreibt: die Hoffnung auf den einen Moment, der uns unvergesslich bleibt.
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